Köln: Die Nacht der 1.000 Bomber und das explosive Erbe

 

 

 

Autor:Ingeborg Ebinger

Rund 65 Jahre nach Kriegsende sei anzunehmen, das Gras über die explosive Vergangenheit gewachsen sei, doch weit gefehlt. In jüngster Zeit machen die Altlasten des Krieges immer wieder Schlagzeilen, in den Medien häufen sich Pressemitteilungen und Nachrichten über Funde.

Sie machen deutlich, dass das schaurige Erbe des letzten Weltkrieges allgegenwärtig und im wahrsten Sinne explosiver wird. Der Zustand aktuell geborgener Relikte ist zum Teil gravierend labiler. Verborgen im Erdreich oder Gewässern nagt der Zahn der Zeit an Material und Zündern. 

Der Fund im Neusser Hafengebiet Ende März 2012 zeugt von der Brisanz des Themas, der Blindgänger soll stark angerostet gewesen sein, mit austretendem Sprengstoff an der Treibladung, so die Berichte einer hiesigen Tageszeitung.

Die größer werdende Gefahr betrifft nicht nur die Feuerwerker der Kampfmittelräumdienste bei der Ausübung ihres Berufes. Auch die Allgemeinheit ist massiv betroffen!

Das Innenleben eines Blindgängers besteht zum größten Teil aus hochgiftigen Chemikalien. Treten diese aus dem maroden Eisenkörper aus, sind gefährliche chemische Reaktionen und Kontamination von Erdreich und Gewässern die Folge. Auch das Risiko einer Selbstdetonation nimmt mit fortschreitenden Alter gravierend zu statt ab.

Oft sind es reine Zufallsfunde, wie sie z. B. bei Niedrigwasser des Rheins in Koblenz, im Sommer 2011 auftraten. Vielerorts werden Grundstücke präventiv vor Neubauungsmaßnahmen geprüft, wenn durch die Luftbildauswertung Einschläge bekannt sind oder Berichte von Zeitzeugen vorliegen.

Ebinger entwickelt moderne Suchsysteme die eine effiziente Sondierung, auch in dicht besiedelten Gebieten, ermöglichen. Jüngste Entwicklung ist das UPEX® 745 P2I, ein System das für Vielseitigkeit (Flächen- und Bohrlochsondierung) und außergewöhnlich hohe Leistungsfähigkeit steht.

So wurde z. B. mit dem UPEX® 745 P2I in Osterspai, Rheinland Pfalz, im August 2011 eine 500 kg Fliegerbombe in ca. 3-4 m Tiefe sondiert, die mit herkömmlicher Technik nicht nachweißbar war.

Köln wurde, wie auch viele andere Städte, während des 2. Weltkrieges durch schwere Luftangriffe der Alliierten bombardiert. Die Nacht der 1.000 Bomben, auch bekannt als „Operation Millenium“, bleibt in schauriger Erinnerung.

Während des Krieges wurden schätzungsweise 1.900.000 Tonnen Bomben auf Deutschland abgeworfen, allein bei insgesamt 31 schweren Luftangriffen gingen ca. 1,5 Millionen Bomben auf Köln nieder. Man vermutet, dass jede 10 Bombe als Blindgänger im Boden verblieb.

Die größten Räumanstrengungen wurden unmittelbar in der Nachkriegszeit und vor dem Wieder-aufbau getätigt. Aber auch während der vergangenen Jahrzehnte leistete der deutsche Kampfmittelräumdienst wahre Aufräumarbeit.

 

„Wir identifizieren uns mit dem Innovationsstandort Köln, der während des 2. Weltkrieges u. a. in der Nacht der 1.000 Bomber nahezu völlig zerstört wurde, hier liegen unsere Wurzeln,“  

Firmengründer Klaus J. Ebinger.      

Quellen:

1 www.klartext-ne.de, 29.03.2012

2 www.rhein-zeitung.de, 30.06.2011

3 Wolfgang Thamm, 55 Jahre Kampfmittelbeseitigung in der Bundesrepublik Deutschland 1945-2000 (55 years of bomb disposal in the Federal Republic of Germany 1945-2000)

We would like to thank the City of Cologne NS Documentation Centre for its kind assistance.